zur Veeh-Harfe

Der Landwirt Hermann Veeh war auf der Suche nach einem Musikinstrument für seinen Sohn Andreas, der mit Down-Syndrom auf die Welt kam. Nach vielen Versuchen entwickelte er schließlich die Veeh-Harfe.

Für Andreas und viele andere Menschen öffnete sich eine wunderbare Welt. Der Traum vom gemeinsamen Musizieren von Menschen mit unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten wurde Wirklichkeit. So erfüllen sich mittlerweile auch viele Senioren den Kindheitstraum ein Instrument zu spielen.

Die Veeh-Harfe ist ein Saitenzupfinstrument, das ohne Notenkenntnisse gespielt werden kann. Eigens für das Instrument wurde eine einfache und deutliche Notenschrift entwickelt – reduziert auf das Wesentliche. Notenschablonen, die zwischen Saiten und Resonanzkörper geschoben werden, ermöglichen ein Spielen „vom Blatt“ – die Noten werden begreifbar.

Deshalb und auch wegen des zarten, bezaubernden Klangs hat die Veeh-Hafe weltweit schon viele Freunde gefunden.

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Seniorennetzwerk mit der Veeh-Harfe

Der wohl ungewöhnlichste Arbeitsbereich an der Diakoniestation ist das Seniorennetzwerk mit der Veeh-Harfe.

Als vor 9 Jahren ein Spender die Anschaffung mehrerer Instrumente möglich machte, ahnte noch keiner, was sich daraus entwickeln würde. Bei der Mitgliederversammlung des Krankenpflegevereins Wilferdingen, 2009, wurden die ersten zaghaften Töne gezupft, heute spielen 30 aktive Senioren die Veeh-Harfe. In wöchentlichen Übungsstunden werden Musikstücke vom Kinderlied, über Volkslieder, altes und neues geistliches Liedgut, Irische Melodien und klassische Stücke einstudiert. Bei Besuchen in Pflegeheimen, Seniorennachmittagen und bei Gottesdiensten wird jeweils eine passende Auswahl zu Gehör gebracht. Übers Jahr verteilt sind wir ehrenamtlich bei nahezu 30 Veranstaltungen für das musikalische Programm verantwortlich.

Fest zu unseren Terminen gehört die Gestaltung einer Andacht in der Nöttinger Kirche. Neben unseren Patienten zählt inzwischen eine steigende Anzahl von älteren Menschen zu den Gästen. Spannend war die Einladung in die geriatrische Abteilung einer Klinik. Ärzte hatten angeregt, dem Alltag der Patienten durch ein musikalisches Mitmachprogramm eine andere Qualität zu geben. Der Nachmittag verlief so positiv, dass ein weiterer nun folgen wird. Sehr berührend war auch die Mitwirkung bei einem Gedenkgottesdienst des Hospizvereins.

Verschiedentlich wurden wir Verantwortlichen zu Veranstaltungen der Alzheimer Gesellschaft oder vom Landratsamt zum Fachtag für Demenz eingeladen. In Workshops führen wir in die Handhabung der Veeh-Harfe ein und lassen unserer Erfahrungen aus dem praktischen Alltag mit älteren und erkrankten Menschen einfließen. Fest installiert im Programm ist der Musikalische Nachmittag an der Diakoniestation. Senioren laden an Demenz Erkrankte ein. Nach einem gemütlichen Kaffeetrinken wird ein jahreszeitlich passendes Thema mit Geschichten von früher und entsprechendem Liedgut aufbereitet. Bei der Erinnerungsarbeit mit musikalischen Impulsen geschieht Erstaunliches mit den Patienten: sie blühen auf, werden sprachfähig, fühlen sich wert geachtet. Im geschützten Raum, mit geschultem Personal sind Menschen mit beginnender Demenz in der Lage, aktiv mit der Veeh-Harfe zu musizieren. Neben dem Erleben „ich kann das“ werden neurale Verbindungen im Gehirn positiv beeinflusst.

„Musik ist und bleibt ein lebenslanges Bedürfnis, und auch musikalisches Lernen findet bis ans Ende des Lebens statt. Sie aktiviert einerseits und beruhigt andererseits, sie stellt eine mentale Verbindung dar zu Orten und Erlebnissen und den damit verbundenen Personen, sie unterstützt Stimmungen und Stimmungswechsel und trägt auf diese Weise ganz entscheidend zur Alltagsbewältigung bei. Musik wird mehr und mehr zu einem Brückenmedium in die Vergangenheit. Häufig wird sie zum Schlüssel der Erinnerung, insbesondere, wenn Beeinträchtigungen des Gedächtnisses vorliegen, wie wir es bei einer Demenz erleben. Musik kann, wie kein anderes Medium, im Alter helfen, Erinnerungen dem Vergessen zu entreißen. Sie kann auf diesem Wege zum Erhalt der Identität und des seelischen Gleichgewichts beitragen.“

(Musizieren im Alter Hartogh / Wickel)

Diese wissenschaftliche Erkenntnis können wir aus den Erfahrungen in unserem praktischen Alltag nur bekräftigen. Deshalb sind wir froh, dass der Vorstand der Diakoniestation diese Arbeit begrüßt, stützt und fördert.

Linde Walch, Musikgeragogin

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Veeh-Harfe für Menschen mit Behinderung

Ein stetig wachsender Bereich innerhalb der Diakoniestation ist die Veeh-Harfen-Arbeit mit Menschen mit Behinderung:

 

Die Veeh-Harfen-Gruppe „viel-saitig“

Der Name „viel-saitig“ ist bei uns Programm:

Uns vereint die Vielfalt an Persönlichkeiten, die Vielseitigkeit der individuellen Fähigkeiten, die Vielgestaltigkeit unseres Angebots, die einstimmige Freude an der Musik und natürlich die Liebe zu diesem ganz besonderen Saiteninstrument.
Die Gruppe besteht derzeit aus 13 Personen zwischen 10 und 56 Jahren, die sich wöchentlich in drei verschiedenen Kleingruppen zum gemeinsamen Musizieren treffen.
Das Erlernen des Instruments, die Erweiterung des Repertoires sowie die besondere Herausforderung des Zusammenspiels orientieren sich dabei an den persönlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten jedes Einzelnen.
Getreu dem Motto „nichts muss – alles kann“ haben wir auch unseren Spaß an individuell ausgelegten oder unbeabsichtigt mehrstimmigen Musikstücken.
Selbstverständlich ist das gemeinsame Gespräch und der Austausch persönlicher Befindlichkeiten ein wesentlicher und für alle Beteiligten wichtiger Bestandteil unserer Zusammenkünfte.

Seit Sommer 2014 wird dieses Angebot von Katrin Dannenmaier (Diplom-Sozialarbeiterin FH) mit viel Freude, Geduld und Einfühlungsvermögen gestaltet. Unter ihrer Leitung fanden bereits mehrfach Konzerte statt, bei denen das Erlernte voll Stolz zu Gehör gebracht werden konnte.

Stimmen zur Veeh-Harfen Gruppe:

  •  „Ich kann auf der Veeh-Harfe spielen, das kann nicht jeder.“ (Diana, 19 Jahre)
  • „Ich liebe den Klang der Veeh-Harfe und freue mich für Diana, dass sie die Möglichkeit hat dieses Instrument spielen zu können.“ (Mutter von Diana)
  • „Ich bin sehr dankbar, dass ich Harfe lernen darf. Das macht mir unheimlich viel Freude und ist für mich ein ganz großes Geschenk von Jesus.“ (Dorothea, 55 Jahre)
  • „Ich lebe und arbeite auf dem Auenhof in Neulingen-Bauschlott und freue mich immer wieder darauf, an den Heimfahrwochenenden zur Veeh-Harfen-Gruppe gehen zu können. Ich spiele da sehr gerne mit.“ (Katharina, 28 Jahre)
  • „Für Menschen mit Beeinträchtigungen gibt es nicht so viele Angebote für die Gestaltung ihrer Freizeit. Um so schöner und wertvoller ist es, dass die Diakoniestation die Veeh-Harfen-Gruppe anbietet. Für unsere Tochter ist es immer wieder ein Highlight, dort mitspielen zu können.“ (Vater von Katharina)
  • „Es ist Donnerstagmorgen früh um 6 Uhr. Alina sitzt in ihrem Bett, zeigt lachend auf ihren Kalender und ruft: Mama, Mama…Donnerstag Harfe gehen! Ja, sage ich, heute Abend gehen wir. Ja, sagt Alina und strahlt.“ (Alina, 14 Jahre und ihre Mutter)